Sonntag, 24. März 2013

Wolfgang Tillmans.

Sonntag, eisiger Ostwind in stürmischen Böen. Schnell zur Kunst, Wärme erhoffend.


Im Ständehaus: Wolfgang Tillmans, Gesamtüberblick. Fotos, Abstraktionen, Tischarbeiten. Die Werke sind casual an den Wänden befestigt, kaum mal ein Rahmen, meist Klammern oder Tesafilm. Hier wehrt sich jemand gegen die Aufnahme in den Olymp des Künstlerisch-Wertvollen, zelebriert das Nebenbei-tum, das Unprätentiöse. Große Formate dominieren, angefangen von den berühmten Szenebildern der 90er bis zu den Sternenhimmel-Aufnahmen oder den abstrakten Ausgeburten der Dunkelkammer.


Mitunter scheint ein Promi auf:


Ansonsten: Viel Beliebigkeit, verklausulierte politische Statements,schwules Lebensgefühl mit enthüllten Genitalien und Pictures from around the world. 

Highlight-Dialog in der Ausstellung: 
"Ist das dort auch ein Transsexueller?" (circa 75jährige Frau, die in einem Klappstuhl sitzt) 
- "Nein, die haben die Genitalien nach innen gestülpt!" (ihr circa 45jähriger Begleiter).



Die Ausstellung lässt mich ratlos zurück.

Viele der gezeigten Werke lösen in mir nichts aus, sind im besten Fall Momentaufnahmen einer zufälligen Wirklichkeit - und damit willkürlich, beliebig, unwichtig. „Ich mache Bilder, um die Welt zu erkennen.“ (Wolfgang Tillmans) Genau das funktioniert im Ständehaus eben nicht. 

Die Szenebilder der Techno- und Schwulenkultur behaupten im Nachhinein noch so etwas wie Relevanz, reissen mit ihrem (überwiegenden) Schnappschuss-Charakter aber das Zeitgenossentum in den Orkus des Gewöhnlichen. Das Lakonische, das sich auch in der fast schon schludrigen Anbringung der Werke an der Wand manifestieren soll, wird durch den Hype um Tillmans konterkariert. 
Er IST im Kunst-Olymp, im Mainstream, im Ständehaus angekommen. Das ist überhaupt nichts Verwerfliches. Aber umso verkrampfter wirkt der Versuch, diese Tatsache zu verneinen.


1 Kommentar:

  1. ...wilkürlich, beliebig, unwichtig.
    Wie schön, daß jemand einmal den Mut hat, gegen die geschlossene Phalanx der "Kunstexperten" bei einem nüchternen Blick auf das Werk von Wolfgang Tillmans zu bleiben. Einmal zu einem der wichtigsten Gegenwartskünstler erklärt, wird ihm auch noch das Banalste aus der Hand gerissen, seien einfältige Photos einer Sonnenfinsternis, eines Kakadus oder eines Wasserfalls.

    Hier ist in meinen Augen wieder die kollektive Autosuggestion der am Kunstmarkt Beteiligten am Werk: man will den Hype, mann will die wirtschaftliche Maschinerie Kunstmarkt auf immer höhere Drehzahlen schrauben und da ist nur die hirnlose Affirmation gefragt.

    Harry Gassek

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