Mittwoch, 23. Oktober 2013

Rocket Science

Der Auspuff klapperte.

Erst quietschte er nur, und der konsultierte Fachmann versprach Besserung. Er dengelte und machte und meldete Vollzug. Kein Quietschen mehr.

Ich war erleichtert, aber nur 500 Meter lang. Dann fing es an zu klappern. Bei einer bestimmten Drehzahl schlug das hintere Ende des Auspuffrohrs an die Karosserie und es erklang ein lautes Rarararararara (im Lautmalen war ich immer schon scheiße...).

Zurück zum Fachmann. Kurzes Kopfkratzen, dann wußte er Rat und schritt zur Tat. Andere Menschen machen Zumba (was ich monatelang für einen Getränkemarkt irgendwo in der Nähe von Chemnitz hielt...), biegen sich fernöstlich im Park oder strampeln auf fest installierten Rädern vor Bildschirmen mit dem Mont Ventoux - der Fachmann machte das hier:

Foto: Marc-Steffen Unger

Das Klappern ist jetzt weg. Natürlich.

Sonntag, 5. Mai 2013

Sonntagsmusik.

Im Lipperfeld 7 in Oberhausen ist der Sitz der Firma Schultz Logistik. Ich weiß das, denn gestern fuhr ein LKW dieses Unternehmens auf der Autobahn direkt vor mir und ich starrte die ganze Zeit auf die Adresse, die am Heck angebracht war. 

Im Lipperfeld 7a in Oberhausen ist der Sitz der Städtischen Musikschule Oberhausen. Ich weiß das, denn ich war heute dort.

Die Verbindung zwischen beiden ist das unansehnliche Industriegebiet, in dem diese Adressen und ihre unansehnlichen Gebäude beheimatet sind. Dennoch war ich an diesem strahlenden Frühlingstag gerne in dieser postindustriellen Brachlandschaft direkt neben dem CentrO, jener unsäglichen Konsumhölle, in der holländische Touristen und kurzbehoste Tennissockenträger mit Camp-David-Polohemden die sogenannte "Promenade" bevölkern, eine Ansammlung von Ballermannesken Gastronomiebetrieben mit Junggesellenabschied-Ästhetik. Um die Ecke, im Industriegebiet Lipper Feld, verbirgt sich zum Glück der humanistische Gegenentwurf zu diesem Fun-Terror - wenn auch architektonisch nicht besonders attraktiv verpackt.


Das Gebäude der Musikschule war wohl einst ein Büro mit angeschlossener Werkstatt - jedenfalls kündet das schmucklose Plattenbauambiente und das Garagentor von einer nutzungsorientierten Ausrichtung dieser Art von Baukastenarchitektur. Aber das zählte heute nicht, denn in diesen Räumen fand die Probe eines besonderen Orchesters statt, an der teilzunehmen ich aus engen verwandtschaftlichen Gründen das Glück hatte. Man kann nun lang und breit darüber klagen, die Kultur würde in diesem Land stiefmütterlich behandelt und der musikalische Nachwuchs müsse sich in improvisierten Räumlichkeiten dem Spardiktat der herrschenden Mächte beugen, die stattdessen lieber einen grellen Konsumenten-Freizeitpark mit Subventionen zuschmeißen - geschenkt. Denn hier fand sich auf einmal etwas, dass ich in so einer Gegend nicht erwartet hätte: Würde.

Das Kinder Orchester NRW übte an diesem Ort sein neues Programm ein. Das Ensemble besteht aus Musikern aus ganz NRW, die an fünf bis sechs Wochenenden von eine Bande aus begnadeten Einzelkünstlern zu einer konzertanten Einheit zusammenwachsen. Dazu bedarf es nicht nur Talent, sondern vor allem Disziplin. Achtjährige, die freiwillig einen ganzen Tag bei schönstem Sonnenschein Verdi-Partituren pauken, haben meinen höchsten Respekt. Und dann kommt sowas dabei raus: Gassenhauer voller Herzblut und echte Opern-Smash-Hits. Ich schreibe das so salopp daher, um ein wenig zu verschleiern, dass ich von klassischer Musik nicht viel Ahnung habe. Eines aber weiß ich: Wenn 65 acht- bis vierzehnjährige plus zwei Sänger/innen in einer öden Garage in einem öden Industriegebiet neben einer öden Shopping Mall mit vollem Herzen und einer Menge Spaß dabei sind, dann können sie die Welt erobern.

Das dachte ich mir jedenfalls, als ich draußen vor dem Gebäude Im Lipperfeld 7a in der Sonne döste und "Brindisi" aus La Traviata erklang.


P.S.: Wer sich live von der kraftvollen Spielfreude des Kinder Orchesters NRW überzeugen möchte, hat bei diesen Terminen dazu Gelegenheit:

26.5. Max Ernst Museum, Brühl
16.6. Stadthalle Kleve
23.6. Grugapark, Essen

Mittwoch, 24. April 2013

The Return Of The Pöler.




In meinem Jahresrückblick 2012 schrieb ich unter der Rubrik "Schlecht":

Fußball-EM: Tiki-Taka-Fußball bis zum Erbrechen. The End Of Football As We Knew It.
Seit heute gibt es wieder Hoffnung. Ich bin weder Fan des FC Bayern noch von Borussia Dortmund, aber dennoch habe ich die Spiele der beiden deutschen Vereine in der Champions League natürlich verfolgt. Mit Leidenschaft.

Gestern haben die Bayern souverän den besten Verein Europas mit 4:0 besiegt, heute legen die Europa-Emporkömmlinge aus Dortmund Real Ronaldo mit 4:1 aufs Kreuz. Beides hat mich sehr gefreut, weniger wegen der Ergebnisse, als vielmehr wegen der Art, wie diese Ergebnisse zustande kamen. Es war in beiden Fällen die Rückkehr des Fußballs alter Schule (wenn auch auf einer höheren Stufe), in dem man sich zu jeder Sekunde mit dem Ball in Richtung des gegnerischen Tores orientierte anstatt den Gegner in einer endlosen, ermüdenden Rochade von Kurzpässen auslaugen zu wollen.
Gerade bei den Bayern war zu sehen, wie sie mit einem athletischen, kampfbetonten Spiel in Mannschaftsformation die Einzelkönner aus Barcelona mit all ihren technischen Fähigkeiten ins Leere laufen ließen. Und Borussia Dortmund setzte noch einen drauf mit der Kraft aus 68.000 Kehlen und dem Willen, dem Primadonnen-Schönwetterkollektiv des José Mourinho mit, hüstel, der alten deutschen Tugend des "Über den Kampf ins Spiel finden" eins auszuwischen. Mission accomplished.

Ich sage das alles ohne Häme, denn ich freue mich für den Fußball als solchen, nicht für die einzelnen Vereine. Wie schon oben erwähnt war ich immer der Meinung, der nüchtern-perfekte Technokratenfußball der spanischen Art sei im Grunde widernatürlich und sogar spielzerstörend - elegant anzusehen, aber so seelenvoll wie ein VW Golf: Perfekt konstruiert, doch ohne wahren Charakter.

Jetzt scheint seine Zeit abgelaufen.

P.S.: Das leicht verschwommene, nicht mehr ganz aktuelle Bild oben zeigt übrigens, wie ich über den Kampf in das Spiel zu kommen versuche. Der Mann, der mich fault, heißt Stefan Raab und ließ sich kurz darauf auswechseln.



Donnerstag, 11. April 2013

Das große Trotzdem.




Am Neujahrsmorgen 1953 starb Hank Williams, Übervater der Countrymusik, auf dem Rücksitz eines Cadillac. Seine letzte Mahlzeit: Schmerztabletten und Wodka aus dem Flachmann.Nun haben wir gerade weder Neujahr noch gibt es eine neue Best Of-Compilation von Luke the Drifter, wie er sich auch nannte. Warum also dieser Text? Weil ich gerade dabei bin, das Gesamtwerk neu zu entdecken - und weil man keinen Grund braucht, über gute Musik zu schreiben.



Das Wetter meint es nicht gut. In der Neujahrsnacht 1953 schlingert ein Cadillac mit zwei Insassen durch den Regen im amerikanischen Süden in Richtung Ohio. Im kleinen Ort Rutledge, Tennessee, hält der Fahrer an einer Tankstelle, die auch jetzt, mitten in der Nacht, noch geöffnet ist. Er hat einen wertvollen Passagier und will den Tankwart nach dem Weg fragen. Soll er den Highway 21 oder doch den Highway 61 Richtung Norden nehmen? Den Fahrgast auf dem Rücksitz kann er nicht fragen, der scheint seit Stunden zu schlafen. Still ist es dort auf dem Rücksitz, sehr still. Charles Carr, der siebzehnjährige Fahrer, wirft einen Blick nach hinten und ein Verdacht keimt in ihm. Carr fühlt die Hand des dünnen Mannes: kalt. Angsterfüllt holt er den Tankwart. Der sieht sofort, dass dieser Mann auf dem Rücksitz sein Ziel nicht erreichen wird. Hank Williams, Country-Musiker und Enfant Terrible des Nashville-Establishments, ist tot. Neben ihm liegen sein breitkrempiger Hut, Schmerztabletten und eine Flasche Wodka. In seiner Jackentasche steckt eine Pistole


Der Aufstieg und das Danach

Williams hatte es aus der Gosse in den Hillbilly-Olymp geschafft. Die ur-amerikanische Geschichte, da ist sie wieder. Geboren als Hiram Williams am 17. September 1923 in bitterer Armut, vollzog sich der Aufstieg des Country Boy rasant. Nur sechs kurze Jahre lang nahm er Platten auf. Sein größter Hit „Lovesick Blues“ katapultierte ihn in die heilige Halle von Nashville, die Grand Ole Opry. Dort spielte er die hingerotzte, geheulte Klage über eine davongelaufene Liebschaft vor 3574 Zuschauern und unzähligen Hörern am Radio sieben Mal hintereinander – die Leute wollten ihn einfach nicht von der Bühne lassen. Das hatte es noch nicht gegeben in der ehrwürdigen Opry.

16 Wochen war der Song an der Spitze der Country-Charts. Radioshows, Plattenverträge, Filmpläne, gescheiterte Ehen, Affären, natürlich Cadillacs und das Haus für die über alles geliebte Mutter folgten. Und der Alkohol. Viel Alkohol. Die Grand Ole Opry, die ihn so innig an ihr reaktionäres Herz gedrückt hatte, warf ihn raus. Mit einem Saufbruder wollte der musikalische Tugendtempel nichts zu tun haben. Williams lieferte mit diesen Eskapaden die Blaupause für das Verhalten aller ihm folgenden Pop-Emporkömmlinge.

Heaven and Hell 

Da, wo Hank Williams herkam, war das Leben klar aufgeteilt in Honkytonk einerseits und Zähneklappern vor der ewigen Verdammnis andererseits. Samstagabend wird auf der Kneipentour die Stadt umgekrempelt, am Sonntagmorgen in der Kirche um Vergebung gewinselt. Williams nahm diese Dichotomie ernst, legte sich für die von Blues und Religion beeinflussten Stücke gar eine zweite Bühnenexistenz zu. Als „Luke the Drifter“ spielte er überwiegend Songs voller Schmerz und Inbrunst. „I‘m so lonesome I could cry“ stammt aus dieser Ecke, „Jambalaya“, der fröhliche Lobgesang auf die Cajun-Küche, aus einer anderen. Für Williams paßte das Nichtpassende gut zusammen und in seinen religiös inspirierten Aufnahmen spürt man Demut und Achtung vor einem angstgeliebten Schöpfer, der seine braven Schäfchen mit ideellen Gütern ebenso entschädigt wie er uneinsichtige Sünder am Tag des Jüngsten Gerichts hartleibig abstraft.


Auf der anderen Seite: Hymnen des Nachtlebens, der schmierigen Honky Tonks mit ihren betrunkenen Schlägereien und den willigen Frauen. Diese Welt kannte Hank Williams, seit er mit 16 von der Schule abging, um Musik zu machen. Mit seiner Band, den Drifting Cowboys, spielte der dünne, blasse Junge Ende der 30er Jahre in den Spelunken Alabamas. Hier hatte die Bibel wenig zu sagen, hier galten andere, handfeste Gesetze. Williams heuerte einen Bass-spielenden Ex-Wrestler für die Drifting Cowboys an – nur zur Sicherheit, das musikalische Können dieses Hünen war zweitrangig.

In den Widersprüchen seiner Texte war er sehr amerikanisch, so wie zahlreiche Brüder im Geiste, die folgen sollten: Jerry Lee Lewis heiratete eine Minderjährige um dann den Herrn zu preisen, Bob Dylan suchte nach Beatnik-Erfahrungen Trost im Spirituellen und unendlich viele Countryalben priesen das Rumrockern ebenso wie das keusche Leben. Hank Williams war die erste dieser Doppelexistenzen. Nebenbei rettet er heute noch die tiefe Spiritualität des amerikanischen Südens vor den Ostküsten-Evangelisten der Bush-Ära, die immer noch alles daran setzen, das Denken einer theologischen Randgruppe in Weltpolitik zu verwandeln. Aber die Welt ist nicht Montgomery, Alabama.


Der Mann meint es ernst

In seinen besten Momenten vermittelt Williams ein Gefühl dafür, was Authentizität ist und was sie bewirken kann. David Bowie forderte einmal von einem guten Song, er müsse einen auf die Knie sinken und in Tränen ausbrechen lassen. Williams erfüllt diese Anforderung ohne falsches Kalkül. Herzzerreissende religiöse Heuler rüberbringen, als hinge die Seele davon ab und dennoch den Moment intensiv feiern und nicht an morgen denken: Schizophrenie ist für ihn kein böses Wort. Sein Credo: Der Widerspruch zwischen Party-Tier und Stechuhr-Sklaven ist in jedem von uns angelegt, also gräme Dich nicht und mach das Beste daraus. Ende der 40er Jahre scheint hier zum ersten Mal das Glücksversprechen des Rock’n’Roll auf, das große ‚Trotzdem‘ mit der Betonung auf Trotz. Wenn Williams auch im engen Gatter des Country rumtigerte, so war er doch viel mehr als nur ein tumber Cowboy – er erfand den Rock’n’Roll-Lifestyle, bevor es dafür ein Wort gab.

  
Wreck on the Highway

Die Kompromisslosigkeit seines Tuns war Williams´ Stärke und sein Fluch, befeuert durch Frauen, Pillen und Alkohol. Die beiden letztgenannten waren Treibstoff und Bremsfallschirm zugleich, denn ein schmerzhaftes Rückenleiden versaute ihm so manchen Auftritt. Medikamente und Alkohol halfen ihm gegen die Schmerzen. ‚Fitspritzen‘ würde man ihn heute, damals gab es nur die rauhe Methode. Die sollte ihn das Leben kosten, der tödliche Cocktail aus Schmerzmitteln und Wodka war seine letzte Mahlzeit in dieser ungemütlichen Nacht zwischen 1952 und 1953 irgendwo im amerikanischen Süden. Zu seiner Beerdigung in Montgomery, Alabama kamen über 20.000 Menschen.




Sonntag, 24. März 2013

Wolfgang Tillmans.

Sonntag, eisiger Ostwind in stürmischen Böen. Schnell zur Kunst, Wärme erhoffend.


Im Ständehaus: Wolfgang Tillmans, Gesamtüberblick. Fotos, Abstraktionen, Tischarbeiten. Die Werke sind casual an den Wänden befestigt, kaum mal ein Rahmen, meist Klammern oder Tesafilm. Hier wehrt sich jemand gegen die Aufnahme in den Olymp des Künstlerisch-Wertvollen, zelebriert das Nebenbei-tum, das Unprätentiöse. Große Formate dominieren, angefangen von den berühmten Szenebildern der 90er bis zu den Sternenhimmel-Aufnahmen oder den abstrakten Ausgeburten der Dunkelkammer.


Mitunter scheint ein Promi auf:


Ansonsten: Viel Beliebigkeit, verklausulierte politische Statements,schwules Lebensgefühl mit enthüllten Genitalien und Pictures from around the world. 

Highlight-Dialog in der Ausstellung: 
"Ist das dort auch ein Transsexueller?" (circa 75jährige Frau, die in einem Klappstuhl sitzt) 
- "Nein, die haben die Genitalien nach innen gestülpt!" (ihr circa 45jähriger Begleiter).



Die Ausstellung lässt mich ratlos zurück.

Viele der gezeigten Werke lösen in mir nichts aus, sind im besten Fall Momentaufnahmen einer zufälligen Wirklichkeit - und damit willkürlich, beliebig, unwichtig. „Ich mache Bilder, um die Welt zu erkennen.“ (Wolfgang Tillmans) Genau das funktioniert im Ständehaus eben nicht. 

Die Szenebilder der Techno- und Schwulenkultur behaupten im Nachhinein noch so etwas wie Relevanz, reissen mit ihrem (überwiegenden) Schnappschuss-Charakter aber das Zeitgenossentum in den Orkus des Gewöhnlichen. Das Lakonische, das sich auch in der fast schon schludrigen Anbringung der Werke an der Wand manifestieren soll, wird durch den Hype um Tillmans konterkariert. 
Er IST im Kunst-Olymp, im Mainstream, im Ständehaus angekommen. Das ist überhaupt nichts Verwerfliches. Aber umso verkrampfter wirkt der Versuch, diese Tatsache zu verneinen.


Montag, 11. März 2013

SALON CHAMPENOIS DU VÉHICULE DE COLLECTION

Schilderwald.
En Detail.
Lokale Spezialitäten.
Un Chat.
Möbel-Wagen.
Schrott-Sound!
Der junge Ebby Thust als französischer Popstar!
Freddy's harte Schule.
Les Luftboxers sont arrivee!
Die Mutter aller Stretchlimos.

Freitag, 8. März 2013

Ansage.


Ich befinde mich - wie jedes Jahr um diese Zeit - kurz mal im Land der Wellblech-Insekten. A Bientot!

Sonntag, 3. März 2013

Plastische Chirurgie.

Ein abgeschlossener Foto-Roman.

Es begann mit einem kleinen Loch am hinteren linken Radlauf. Die üblichen Rostbläschen entpuppten sich als veritabler Blechwurm der Gattung Ferrum-verzehrend, wenn auch mit scheinbar überschaubaren Folgen:

Der hinzugezogene Experte (Eddie, siehe unten) setzte den Anti-Rost-Helm auf und begann, sich alles genauer anzusehen.

Eddie schliff - und das Loch wurde größer.

Dann fing er an, mein Auto zu zerschneiden:
.

Das Ergebnis: Wir fanden noch ein zweites Loch, hinter dem ersten.

Aber Eddie wäre nicht polnischer Vize-Blechmeister 1976 geworden, wenn er nicht aus einem Stück Blech ein passgenaues, doppelwandiges Transplantat zaubern könnte, das dem Blechwurm den Garaus macht. Darauf einen doppelten Kaczynski!!

Eddie lässt die Funken fliegen, während ich im Kofferraum des Benz hocke, um eventuelle Brandentwicklungen sofort per Wasserflasche und Hochdruck-Luftschlauch zu ersticken. Die zu bearbeitende Stelle grenzt unmittelbar an die Reserveradmulde und größere Mengen Hohlraumwachs. Und das entflammt sehr schnell, wenn es mit hitzigen Zeitgenossen wie uns in Berührung kommt.

Mit Stolz trägt der alte Benz die frischen Wunden.

"Fuurr da Optik" (Eddie): Ein paar Gramm Spachtel. Nicht gern gesehen, aber vertretbar.

Am Ende dann ein Radlauf, der nun nur noch unter den Händen eines geschickten Lackierers in den "Genauso wie vorher"-Zustand versetzt werden muss. Für den Moment reichen Rostschutz, Primer und panzergrauer Lack als temporärer Schutzfilm.

Nächster Punkt auf der Liste: Die Sanierung der Fahrertür. Eddie, übernehmen Sie!

Sonntag, 24. Februar 2013

Wider die Dauerpräsenz der Nicht-Satisfaktionsfähigen.

Ich fühle mich beleidigt. Nicht von einem Menschen, sondern von diesem schwarzen Kasten in meinem Wohnzimmer. Ja, es ist immer noch ein Kasten, keine Hartz4-Lampe im modischen Flachdesign, sondern ein echtes Trumm mit Röhre und dem Volumen eines Umzugskartons. Man nennt ihn Fernseher.



Ich fühle mich beleidigt. Nicht von einem Menschen, aber von den Schlagzeilen, die mich jeden Tag am Kiosk ankreischen und mit voyeuristischer Lust im Privatleben von Menschen wühlen, deren gesellschaftliche Relevanz darin besteht, mit Nichtigkeiten Schlagzeilen zu liefern. B- und C-Prominente mit zweifelhaftem Leumund und beruflichen "Erfolgen" wie der Teilnahme an einer Castingshow oder einer Vergangenheit im Rotlichtmilieu.

Ich fühle mich beleidigt. Nicht von einem Menschen, aber von den Klatschnews im Internet, die immer hochploppen, sobald ich meinen mail-Account checken will. Wann Witzfiguren wie die Van der Vaarts sich geprügelt, getrennt und doch nicht wieder versöhnt haben, interessiert mich ebenso wenig wie der als sogenannte Alkohol-Beichte getarnte, kalkuliert tränenreiche PR-Feldzug einer Jenny Elvers. Und wann welcher Pop-Diva der Busen aus dem Kleid gekullert ist, hat für mich denselben Nachrichtenwert wie die Frage, ob Frau Elvers sich zurecht Schauspielerin nennt.

Ich werde also permanent beleidigt von einer Medienlandschaft, deren Hohlköpfigkeit und Oberflächlichkeit mich ebenso ankotzen wie die atemlose Geschwindigkeit, mit der jeden Tag ein neuer Popanz multimedial aufgeblasen wird. Ob Geissens, Puffbetreiber oder adoptierter Adeliger: Die Berlusconisierung des öffentlichen Lebens schreitet auch in Germania voran. Das Personal, das dabei insbesondere im TV auftritt, hat alle möglichen Eigenschaften, nur diese hier nicht: Würde. Bildung. Stil. Es handelt sich entweder um die oben erwähnten Proll-"Promis", oder um Angehörige der niederen Stände, die an ihren gekachelten Couchtischen endlos Zigaretten stopfen und sämtliche Vorurteile über den Rand der Gesellschaft bestätigen sollen: Sie kreischen, streiten und brüllen den ganzen Tag in unaufgeräumten Wohnungen voller Leergut. Zivilisiert geht anders.

Nicht, das wir uns falsch verstehen: Ich beklage hier die Präsenz dieser Bevölkerungsgruppen in den Medien, ihre überproportionale Dauerexistenz im Kosmos der Trashsendungen und Yellow Press-Fischeinwickelprodukte. Ich beklage nicht ihre Existenz als gesellschaftliche Gruppe oder gar als Einzelpersonen. Es gab sie schließlich schon immer und die Gründe für ihre Existenz auch. Im Falle der sogenannten Promis nutzen diese ja auch gerne bewusst die Lautsprecherfunktion der dauerbrabbelnden Trashpresse - und das ist fast noch akzeptabel als halbwegs fairer Deal zwischen im Dreck lebenden niedrigen Existenzformen.

Für die anderen aber, das Personal der Scripted Reality-Sendungen, des "Frauentausch"-Elends oder der "Super Nanny" gelten andere Mechanismen. Diese Menschen macht das Fernsehen zu Geiseln der Quote. Denn natürlich sind der taufrische Theodor bei "Bauer sucht Frau" und die ostdeutsche Messi-Frau aus "Frauentausch" Opfer einer Unterhaltungsindustrie, die zynischerweise das Verhöhnen ihrer Opfer auch noch als Lebenshilfe deklariert: Schließlich stiftet "Bauer sucht Frau" ja wirkliche Ehen, oder? Und die "Super Nanny" hat ja auch tausenden Familien den Frieden gebracht. Zumindest, bis der Abspann lief.

Das alte Argument der Programm-Macher zur Verteidigung ihres Kreuzzugs gegen die Tugend ist stets die Freiwilligkeit der Mitwirkenden: Alles erwachsene Menschen, die angeblich zu nichts gezwungen werden. Das ist natürlich eine Lüge, wie zahlreiche dokumentierte Fälle belegen (und jeder Beteiligte an so einer Sendung bestätigen kann, off the record natürlich). Und das ist auch gar nicht der Punkt. Das Schlimme an dieser Art von Fernsehen ist, dass es in zwei Richtungen zynisch ist. Es demütigt nämlich nicht nur seine Protagonisten, sondern auch die Zuschauer, indem es permanent an deren niedrigste Instinkte appelliert: Voyeurismus, Häme, Spott. So werden wir darauf konditioniert, im Scheitern der Anderen oder der intellektuellen Unterlegenheit eines Gegenübers immer nur einen Ego-Booster für uns selbst zu sehen - und nicht den Mitmenschen, dem man mit Respekt, gar Empathie gegenübertritt.

Und deshalb fühle ich mich beleidigt. Ich bin fest davon überzeugt, dass in diesem Land eine Mehrheit lebt, die dem Guten, Wahren, Schönen durchaus zugewandt ist. Menschen, die Bücher lesen, Konzerte besuchen und angeregte Gespräche am Küchentisch und auf dem west-östlichen Diwan führen. Aber sie sind medial nicht präsent. Dadurch entsteht ganz nebenbei ein komplett schiefes Bild der gesellschaftlichen Realität. Wer nur RTL2 et al. guckt, glaubt ja wirklich, er lebe in einer Dauerhölle, in der jugendliche Gewalttäter, Alkoholikerinnen und Grenzdebile mit Topfpflanzen-IQ zu einem Soundtrack aus Billig-Techno permanent den Sozialstaat, die Gesellschaft und den braven Steuerzahler verarschen. Kurz: Dieses Fernsehen wirkt faschistoid, weil es den Ruf nach Durchgreifen, Sauberkeit und Ordnung angesichts des gezeigten Elends nahelegt.

Ich weigere mich, mich damit abzufinden. Für mich gibt es nur eine Konsequenz: Egal, ob TV oder Presse - die Auswüchse dieser Art von "Journalismus" sollte man "nicht mal ignorieren" (Karl Kraus). Das ist angesichts des medialen Waterboardings und der Dauerbeschallung schon schwer genug.

P.S.: Eine treffende Analyse des Frauenbildes, dass das Trash-TV vermittelt, gibt es im flannel apparel-Blog.

Montag, 18. Februar 2013

Die Wahrheit über mich.

Sonntagsausflug in die nähere Umgebung. Angesichts des Proto-Frühlings vor dem Fenster wird der Mercedes angeworfen und die eigentlich geplante ausführliche Lektüre der Sonntagszeitung auf unbestimmte Zeit verschoben. Es lockt das Bergische Land, dessen Motorrad-kompatible Straßen um die Mittagszeit noch nicht von sonnenhungrigen, bärtigen Zahnärzten auf Harley-Davidsons verstopft sind wie sonst an Tagen wie diesen. 

Direkt neben der Klingenstadt Solingen erreichen wir an Bord des Sternenkreuzers und leise dieselnd die Burg.


Der Sessellift ist noch nicht in Betrieb und wird von Bergziegen (Burgziegen?) vor Terroristen und Touristen beschützt:

Am Wegesrand: Morbide bergische Architektur:


Und dann ist da die Wahrsagerin. Ich neige ja nicht zu esoterischen Eskapaden, aber die automatisierte Zukunftsdeuterin, die wahrscheinlich noch aus den 50er Jahren übrig geblieben ist, ruft lediglich 20 Cent für ihre Dienste auf und meine Neugier siegt. Obwohl sie ein wenig nebulös erscheint:


Ich entrichte jedenfalls meinen Obolus und hoffe auf eindeutige Aussagen bezüglich meines weiteren Lebenswegs. Das Ergebnis erreicht mich in Form einer düster raunenden Pappkarte, die mir wenig Hoffnung auf satte Geldgewinne oder berufliche Höhenflüge macht:

Liest man den Text genauer, so beschleicht einen der Verdacht, man habe es hier quasi mit einem gesellschaftlichen Grundgesetz der miefigen Adenauerzeit zu tun: Spare in der Zeit, so hast Du in der Not. Ehrlich währt am längsten. Eile mit Weile. Ich erschauere kurz ob soviel sauber geprägter "Keine Experimente!"-Prosa und beschließe, das meine Zukunft entgegen der mechanischen Wahrsagerin bunt und aufregend zu sein hat. Ich meine, wie ernst kann man eine Prognose nehmen, die auf Karton-Restbeständen des Warschauer Pakts verewigt ist? Eben.

Meine Glückszahl lautet übrigens 1123. Und die Zusatzzahl beim Lotto haben sie mir auch nicht verraten.