Samstag, 29. September 2012

Pause.


Bin mal eben für 336 Stunden bei der Olivenernte. Solange unterhält sie das restliche Internet. Demnächst läuft hier wieder das normale Programm.

Donnerstag, 27. September 2012

Schwerlastverkehr.

Ich war ein paar Tage außer Landes. Ich habe gut gegessen und schlecht geschlafen in einem benachbarten Land mit gefühlten 1.876 Käsesorten. Und ich habe ein Fahrrad gekauft, aus einem anderen Land mit gefühlten 1.876 Berggipfeln.



Ich erwähnte es bereits an anderer Stelle - das schweizerische Militärvelo (Bauzeit in nahezu unveränderter Form: 1905 bis 1988) ist der Unimog unter den Fahrrädern: Nicht schnittig, aber robust. So ein Velo lief mir nun vor das ausgabenbereite Portemonnaie, mit dem Baujahr 1941 über siebzig Jahre alt, doch in gutem und funktionsfähigem Zustand. Quasi mit Vollausstattung: Drei (!) Bremsen, Werkzeugset in der Ledertasche, funktionierendes Speichenschloss mit Schlüssel. Und der Preis war ein Witz.

Das Velo hat eine Hinterrad-Trommelbremse, damit die schwer beladenen Angehörigen der Schweizer Radfahrertruppen bei der Abfahrt von den steilen Gipfeln der alpinen Welt auch rechtzeitig wieder zum Stehen kamen. Wie die schwer beladenen Angehörigen der Schweizer Radfahrertruppen allerdings die steilen Gipfel der alpinen Welt mit diesem 23 Kilogramm schweren Velociped ohne Gangschaltung erklimmen konnten, wird mir für immer ein Rätsel bleiben.

Dienstag, 11. September 2012

Budenzauber aus dem Hotkoffer.

Zu Günter Discher kam ich über John Peel. Die DJ-Legende spielte Ende der 90er im britischen Armeesender BFBS mehrere Stücke aus dem Sampler "Budenzauber", einer streng subjektiven Auswahl von Swingstücken, die eben dieser Günter Discher zusammengestellt hatte. Peel sprach den mit harten Konsonanten durchsetzten deutschen Titel der Compilation sehr weich und unmilitärisch aus: "Buudensaubär" - und erwies damit Discher eine Referenz, die ihm bestimmt gefallen hat.

Günter Discher gehörte zur Hamburger Swing-Jugend der 30er Jahre: Junge, eitle Schnösel mit Sinn für Stil, vergleichsweise langen Haaren und einem Faible für die "entartete Neger-Musik", die in der durchfomierten Volksgemeinschaft der Nazis keinen Platz haben sollte. Die Helden der Swing Kids hießen Count Basie, Duke Ellington oder Benny Goodman.  

"Swingmusik war Freiheit - grenzenlose Freiheit", so zitiert die Plattenfirma Ceraton Günter Discher, und diese Freiheit war in Deutschland damals verdächtig. 1942 wurde Discher verhaftet und blieb bis zum Kriegsende in einem Jugend-KZ, weil er "durch sein zersetzendes und staatsabträgliches Treiben erhebliche Unruhe in die Bevölkerung" trage. 

In einer Zeit von Marschmusik, gebellten Parteitagsreden und einer durchgehenden Militarisierung der ganzen Gesellschaft war Swing und der damit verbundene, als wild und gefährlich empfundene Individualismus eine Bedrohung für die braunen Dumpfbacken. Was nur beweist, wie verwundbar (und deshalb besonders gefährlich) eine Regierung war, die vor der Macht der Noten Angst hatte. Die Begründung für das Vorgehen gegen Swing war allerdings nicht politisch, sondern - natürlich - rassistisch: „Und nun stellen wir uns vor, daß zu dieser Musik deutsche Menschen, gesunde deutsche Mädel und Burschen nicht nur der Großstädte, sondern auch der kleineren Gemeinden schieben und schieben und sich dessen nicht bewusst werden, daß sie sich damit den körperlichen Bewegungsimpulsen jener uns artfremden, rassisch und undefinierbaren Menschenmasse angleichen." Max Merz, 1940.

 
Günter Discher widmete auch nach dem Krieg der Musik seines Herzens die volle Aufmerksamkeit: Mühevoll baute er seine verlorene Plattensammlung wieder auf, die am Ende gut 25.000 Schellack-Schätze enthielt. Und er verbreitet das Evangelium des Swing: Als "Deutschlands ältester DJ" legte er überall dort auf, wo seine Musik willkommen war, brachte seine eigene CD-Serie heraus und wurde zum gefragten Zeitzeugen eines anderen, besseren Deutschlands. Am letzten Samstag war er erneut unterwegs in Sachen "Hotkoffer" (so nannte er den mobilen Plattenspieler, der ihm in den 30er Jahren als Soundsystem diente), und wieder animierte er sein Publikum mit den Worten: "Es darf getanzt werden! Ich bitte sie aber, nicht das Mobiliar zu zerstören."

In der Nacht zum Sonntag ist Günter Discher mit 87 Jahren gestorben.


Montag, 3. September 2012

Headbanging Finsterwalde 2012: Been there, bought the T-Shirt!

Zwei Jahre ohne Headbanging? Ein unhaltbarer Zustand! In diesem Jahr habe ich es endlich mal wieder nach Finsterwalde zu den Hot Heads East geschafft. Knapp 600 Kilometer Anreise sind natürlich ein echter Ritt, aber da ich in diesem Jahr aus vielen Gründen einige der sonst üblichen Alteisen-Parties auslassen musste, habe ich beschlossen, wenigstens bei diesem traditionellen End-Of-Season-Meeting aufzulaufen. Auf der Fahrt dorthin hat der dieselige Sternenkreuzer kurz vor dem Kamener Kreuz mal eben lässig die 450.000-Kilometer-Marke geknackt - ich habe mit ihm auf einem romantischen Parkplatz an der A44 mit einem extragroßen Schluck aus der Ölpulle angestossen!


Dann weiter in die Lausitz: Finsterwalde wurde seinem Ruf wieder einmal gerecht. Das Headbanging ist eine wunderbare Zeitreise in die Vergangenheit, initiiert von den Hardcore-Vertretern der reinen Gearhead-Lehre aus dem Osten. Hier kommt kein Auto auf den Platz, das jünger als Baujahr 1958 ist. Der daneben liegende Parkplatz für Jungspunde wie meinen fast 30 Jahre alten Benz war dafür in diesem Jahr noch stärker mit Gästen belegt - das Headbanging wird trotz der selbst auferlegten Zurückhaltung in Sachen Medienpräsenz immer größer und größer...


Ich habe viele alte Bekannte wiedergetroffen, viel getrunken und geredet und wenig geschlafen. Ich habe drei Tage keine Dusche gesehen, ausschließlich von selbst zubereitetem Grillgut gelebt und den Ideenreichtum und Enthusisasmus wieder schätzen gelernt, den manche Menschen in uraltes automobiles Kulturgut stecken. Mit anderen Worten: Es war ein großer Spaß!