Freitag, 22. Juni 2012

Neuzugang.

Zuwachs im Denim-Schrank: 

Momotaro "Going To Battle", 15.7 Unzen-Stoff, Simbabwe-Baumwolle mit besonders langen Fasern. Feines Stöffchen mit schönen Details.


Donnerstag, 21. Juni 2012

Whatever happened to Rock'n'Roll?


Die jungen Damen auf dem Foto schauen recht gelangweilt. Sie sind gekommen, um ein Konzert zu geniessen, einen Drink zu nehmen, zu rauchen - und dann das.

Die US-italienische Kooperations-Band Xsiu Xsiu Larsen (kurz: XXL) sollte es sein, angekündigt als "Morrissey des weird sad popsongs". Mittelalte Herren aus den US of A sowie Italien, die in einem röchelnden tschechischen Tourbus anreisten und ab dem ersten Ton den kleinen Club mit einer Motörheadmäßigen Lautstärke beschallen, dabei aber Prog-Rock mit Eso-Anklängen und 80er-Schwermut-Anfällen abliefern. Kaugummi-Schichten, die übereinandergelegt werden, bis sich daraus zwar kein Wall Of Sound, aber immerhin eine stachelige Gesamtfläche entwickelt hat, die droht, die Zuhörer mit hochtönendem Gezirpe und Gefiepe zu erstechen. Manchmal wummst der Beat auf und die Kopfnickerfraktion im Publikum ist dankbar für jede klassische Songstruktur, die zumindest ein Mitwippen möglich macht.

Alles schön und gut, mit ein bißchen Abenteuerlust und unter Umgehung der intellektuellen Überhöhung des enigmatischen Krachs hätte das ein netter Abend werden können. Aber. Die Aschenbecher wurden entführt.
Vorher.
Bevor sie zu spielen anfingen, verkündeten die mittelalten Herren von XXL ihre Abneigung gegen die Nikotinsucht: Bitte während und nach (!!) dem Konzert nicht rauchen! Begründung gab es keine, aber die Thekencrew begann sofort mit der Konfiszierung der Aschenbehälter. Und zwar so schnell, dass ich kein unverwackeltes Bild derselben mehr machen konnte und nur noch die Abwesenheit dokumentieren konnte:
Nachher.
Ich gehe nicht zum Rauchen auf ein Konzert. Aber in einem Laden, der als Raucher-Club deklariert ist, finde ich es schon extrem bevormundend von unseren sensiblen Herren Künstlern, mir den Genuss von Tabakwaren zu untersagen. Kommt sehr unsympathisch rüber - und sehr Jugendzentrum-PC-mäßig. Das passte dann wieder zur Musik, die man als eine Art Mischung aus Swans, Sonic Youth, Eyeless in Gaza und Big Black bezeichnen könnte. Retro-Depri-Jazzrockpunk. Zum Glück haben sie das Publikum nicht auch nach seinem Verhältnis zum Fleischkonsum und dem Schicksal Tibets befragt. 

Wir sind dann recht schnell gegangen - hierhin:

Dort blieben die Ascher den ganzen Abend auf den Tischen. Und die Lautstärke war auch okay.

Sonntag, 17. Juni 2012

Sonntagsfreuden

An meiner Wand hängt kein Pferdehalfter, sondern ein Fahrradrahmen. Der Plan, daraus ein komplett neues Rad aufzubauen, musste in den letzten Monaten ein wenig in den Hintergrund treten - nicht zuletzt wegen einiger Verschiebungen in Sachen Automobile mit entsprechenden finanziellen Implikationen. Mercedes-Ersatzteile haben nun mal ihren Preis. Der Rahmen des Zweirads starrt mich dennoch jeden Tag vorwurfsvoll an und es wurde mal wieder Zeit, diesem stummen Vorwurf mit Taten zu begegnen. Daher heute ein kleiner Ausflug ins Bike-Nirvana, zur Rennradbörse in einem schnuckeligen kleinen Vorort einer schnuckeligen Kleinstadt:


Natürlich hatte ich Bargeld dabei und natürlich hatte ich Kaufabsichten - es gibt schließlich noch Einiges zu ergänzen an meinen Stahlross. Daher war ich höchst angenehm überrascht, meine Wunschpedale aus dem Hause Campagnolo bei einem freundlichen Händler zu sichten - und unangenehm überrascht über den aufgerufenen Preis (Campagnolo ist ja der Mercedes unter den Radkomponenten - und Mercedes-Ersatzteile haben eben ihren Preis...). Doch das Leben ist ein Basar und so kamen wir nach kurzer Diskussion zu einem Ergebnis, das uns beide fröhlich nach Hause gehen ließ. Nicht billig, die guten Stücke, aber in einem hervorragenden Zustand, der sich mit etwas Ballistol und Poliercreme sogar noch steigern ließ - links das aufgearbeitete Exemplar, rechts der Kaufzustand.


Operation Bikinifigur kommt jetzt also in die entscheidende Phase - im Sommer 2017 rechne ich mit ersten Ergebnissen. Aber da ich nicht nur Geld ausgeben wollte an diesem sonnigen Sonntag, besuchte ich auf meinem Rückweg einen Ort der Kontemplation:




In der abgeschiedenen Stille des Klosters Knechtsteden, die nur durch die wenig himmlischen Heerscharen klingelnder Fahrradrentner im vorgelagerten Bistro gestört wurde, suchte ich mal wieder nach dem Sinn des Lebens. Der war allerdings gerade woanders und so genoss ich einfach die romanisch-gotisch-barocke Architektur und die angenehme, weil schweigende Anwesenheit längst vergessener Generationen von Äbten und Padres.

Um mich anschließend in die Fluten zu stürzen - im übertragenen Sinne natürlich:


Ein Sonntag der Drei F's: Fahrrad, Filosophie und Flussschifffahrt (bitte beachten sie die Aneinanderreihung von Konsonanten im letzten Wort!). So soll es sein. 
Am Abend dann das vierte F, live aus Lviv.


Mittwoch, 13. Juni 2012

Mahlzeit!

Gesünder leben mit dem DFB: Das essen auch Jogis Jungs (wenn sie in der Kabine nicht gerade Nutella naschen oder McDonald's-Fritten futtern)!


Montag, 11. Juni 2012

Angstlos

Letztes Jahr spielte sie im Vorprogramm von Element Of Crime und konnte mit un-liedermacherhaften Schrammelakustik-Songs an einem regnerischen Abend in Wuppertal bei einem Publikum, das überwiegend aus Funktionsparkas tragenden älteren Semestern  bestand (also genau meine Liga), einen Achtungserfolg erringen. Jetzt gibt es eine neue Platte, "Fünf Minuten", die die falschen Freunde von Spiegel Online bereits hypen, aber da kann Maike Rosa Vogel ja nix für. EoC-Mastermind Sven Regener hat ihre Stücke produziert und wenn ich noch einmal 20 wäre, würde ich mein Leben für diese Frau ändern. (Das würde der Spiegel Online-Redakteur - wenn ich den Artikel recht erinnere - auch tun, aber der besucht bestimmt auch Beatmessen auf Kirchentagen nachdem er eine Rezension über Xavier Naidoo geschrieben hat.)

Ich bin aber nicht mehr 20, "und das ist auch gut so" (Klaus Wowereit). Gut finden kann ich die Platte trotzdem. So wie das Titelstück, das so wunderbar leichtfüßig auf der Grenzlinie zwischen hilfloser Oberstufen-Tagebuchlyrik und unendlicher Zen-Weisheit balanciert. Bonuspunkte gibt's überdies für das knödelige Pathos, mit dem Frau Vogel einer desinteressierten Welt das "Für fünf! für fünf! für fünf Minuten!" entgegenhält. Das meine ich übrigens ganz ernst. Weitere Props auch für die dezent-cheesige Drogenorgel, die wohl von Herrn Lehmann persönlich begrapscht wird. Abzüge allerdings für das blöde Video, das sich bemüht, jegliches Kopfkino mit klischeehaftem Coming-Of-Age-Scheiss zuzukleben - also besser nur der Musik und Maike Rosa Vogel lauschen.

Angstfrei für fünf Minuten? Sollten wir alle mindestens einmal sein im  Leben.


Samstag, 9. Juni 2012

Todesfalle Designersofa


Die Idylle trügt. So ein Urlaub kann gefährlich sein. Insbesondere, wenn man dabei das tut, was ich in meinem letzten Post bereits angekündigt hatte: lesen. In meinem Fall führte das Rumlümmeln auf einem bequemen Sofa zwecks Wissensaneignung in Tateinheit mit einem kleinen Nachmittagsschläfchen zeitversetzt zu einem, nun ja, Zwicken im Rücken. Hinten rechts unten, um genau zu sein - oder, in der Sprache der Medizin: Muskulärer Hartspann. Aber davon später.

Ach Gottchen, werdet ihr nun sagen, dieser Vollhonk schafft es nicht einmal, unfallfrei ein paar Seiten umzublättern und verletzt sich beim literarischen Extremsport auf einem handelsüblichen Fauteuil. Ich aber rufe zurück: Ja, ihr habt Recht. Denn aus dem Zwicken wurde im Laufe eines Abends zunächst ein temporäres Zwacken (bitte entschuldigt meine unspezifische Ausdrucksweise, aber ich habe wenig Erfahrung mit körperlichen Gebrechen), das nach dem Zubettgehen zu einem permanenten, peinigenden, pochenden Schmerz mutierte. Ich hypochondrierte mich schon in die Notaufnahme, mit wechselnder Begründung: Blinddarmdurchbruch, Nierensteine, Leberzirrhose. An Schlaf war jedenfalls nicht zu denken. Ich neige normalerweise nicht zur Panik bei kleinen Gebresten, aber ich befand mich immerhin mitten im Nichts, wo nur einsame Rasenmäherroboter leise seufzend ihr Tagwerk verrichten


- und die medizinische Versorgung der näheren Umgebung beschränkte sich überwiegend auf veterinäre Aspekte. Abwarten, dass es schlimmer wird? Nein, es war schon schlimm genug.

Ich wollte Gewissheit - und begab mich zu später Stunde in das eine halbstündige Autofahrt entfernte Krankenhaus. Auf der Fahrt dorthin (verdammt dunkel!) hatte ich ausreichend Gelegenheit, mein Tun vor mir und der Solidargemeinschaft der Krankenversicherten zu rechtfertigen: Ich bezahle seit ziemlich vielen Jahren brav meine Krankenkassenbeiträge und alles, was ich jemals davon zurückgefordert habe, war eine Gehirnerschütterungsbehandlung im Alter von acht Jahren. Da lief ich noch auf der Payroll meiner Eltern! Wenn einer was gut hat beim Gesundheitssystem, dann ja wohl ich (Pläne, das Krankenhaus mit dem Satz "Das hier gehört alles mir!" zu betreten, verwarf ich dennoch aus Gründen der Diplomatie).

Ich hatte Glück: Das Gesundheitszentrum am Rande der nächsten größeren Stadt entpuppte sich an diesem Abend als entspannter Ort mit entspannter, weiblicher Besatzung, die mich innert einer dreiviertel Stunde durchleuchtete und Entwarnung gab: Das Sofa sei schuld und habe meinen Rücken in einer unachtsamen Sekunde derart verformt. Die Therapie bestand demgemäß aus einer die Solidargemeinschaft schonenden Schmerztablette. 

Zum guten Schluss legte man mir nahe, dennoch baldmöglichst einen Orthopäden aufzusuchen und versorgte mich diesbezüglich mit einer schriftlichen Zusammenfassung meiner Anamnese (das hat nichts mit einem Ex-UN-Generalsekretär oder einem Landesteil Vietnams zu tun - so beeindruckend heißt das in Wahrheit, wenn ich von Zwicken und Zwacken rede). Deshalb habe ich es jetzt schriftlich: Lesen kann gefährlich sein. Euer Vollhonk hat es damit bis in den ärztlichen Bericht geschafft: