Dienstag, 31. Januar 2012

Zoot Suits


Man muss das nicht mögen. Irgendwo an der Grenze zwischen Blues, Swing, R'n'B und dem Proto-Rock'n'Roll der ausgehenden 40er Jahre liegt eine Musik, wie sie der Mann auf dem Foto oben spielt: laut, schräg, ekstatisch, quäkend. Der Mann ist Big Jay McNeeley und bläst das Horn mit Zorn. Es ist der Soundtrack zu den Zoot Suit Riots, als Männer meist schwarzer oder mexikanischer Herkunft in überdimensional geschnittenen Anzügen ("Zoot Suits") den Kampf gegen das weiße Establishment und das L.A. Police Department aufnahmen.

Das war 1943 und ein paar Jahre später tanzten auch die Weißen zum Hucklebuck oder zum Castle Rock, dann aber meist in der entschärften Version von Frank Sinatra. Deshalb stehen oben auch nur Weiße im Publikum: Es ließ sich zum Entsetzen aller Rassisten nicht mehr verbergen, dass die desillusionierte Kriegs- und Nachkriegsjugend die schwarze Musik mit offenen Armen aufnahm. Und weil das nunmal so war, umarmte auch das Musikbusiness die Hits der Schwarzen - und machte sie zu verwaschenen weißen Popsongs, die von Teeniehelden intoniert werden durften. Schließlich konnte man damit viel Geld verdienen.

Big Jay McNeeley hat wohl weniger Geld verdient. Vielleicht bläst er deswegen das Horn mit Zorn. Wie gesagt: Man muss das nicht mögen. Frankieboy hingegen kam auch bei den Eltern an.

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