Dienstag, 31. Januar 2012

Zoot Suits


Man muss das nicht mögen. Irgendwo an der Grenze zwischen Blues, Swing, R'n'B und dem Proto-Rock'n'Roll der ausgehenden 40er Jahre liegt eine Musik, wie sie der Mann auf dem Foto oben spielt: laut, schräg, ekstatisch, quäkend. Der Mann ist Big Jay McNeeley und bläst das Horn mit Zorn. Es ist der Soundtrack zu den Zoot Suit Riots, als Männer meist schwarzer oder mexikanischer Herkunft in überdimensional geschnittenen Anzügen ("Zoot Suits") den Kampf gegen das weiße Establishment und das L.A. Police Department aufnahmen.

Das war 1943 und ein paar Jahre später tanzten auch die Weißen zum Hucklebuck oder zum Castle Rock, dann aber meist in der entschärften Version von Frank Sinatra. Deshalb stehen oben auch nur Weiße im Publikum: Es ließ sich zum Entsetzen aller Rassisten nicht mehr verbergen, dass die desillusionierte Kriegs- und Nachkriegsjugend die schwarze Musik mit offenen Armen aufnahm. Und weil das nunmal so war, umarmte auch das Musikbusiness die Hits der Schwarzen - und machte sie zu verwaschenen weißen Popsongs, die von Teeniehelden intoniert werden durften. Schließlich konnte man damit viel Geld verdienen.

Big Jay McNeeley hat wohl weniger Geld verdient. Vielleicht bläst er deswegen das Horn mit Zorn. Wie gesagt: Man muss das nicht mögen. Frankieboy hingegen kam auch bei den Eltern an.

Montag, 30. Januar 2012

Rebus


+
=  

Lösung: 
Man nehme eine Lichtmaschine, mache ein bißchen "Klopp, Klopp!" mit Hammer und Schraubenschlüssel - und schon ist der Benz wieder obenauf!

Sonntag, 29. Januar 2012

Hallodri-Pop

Ein Stück über das Durchkommen. Von einer Band, die Pop immer noch P!O!P! schreibt und damit seit über zwanzig Jahren davonkommt. Und lange dachte ich, ich könnte das auch.

Freitag, 27. Januar 2012

Starthilfe 2

Was bisher geschah: Kein Licht, kein Ton. Auf einem dunklen Autobahnabschnitt hatte der Sternenkreuzer sich von jetzt auf gleich geweigert, als Kraftwerk zu funktionieren; die Lichtmaschine killte erst das Radio, dann sich selbst. Bis zur heimatlichen Trinkhalle reichten die Reserven der Batterie noch, doch fortan schwiegen Anlasser, Motor und Fahrer. Der herbeigeeilte Alleswisser T. erörterte den Schaden, fummelte mit elektronischem Gerät herum und beschloss, den Dingen pragmatisch auf den Grund zu gehen. Wir versorgten den Benz mit Fremdstrom und fuhren ihn zu einem sicheren Hafen, an dem die Wahrscheinlichkeit, dass er marodierenden Jugendbanden zum Opfer fiele, beträchtlich geringer war als auf dem zugigen Parkplatz neben meinem Tabaklieferanten.

Wir entwickelten an diesem Abend einen teuflischen Schlachtplan: T. orderte über seine stets dunklen Kanäle einen neuen Regler für die LiMa, Kostenpunkt circa 10 Euro. Das wäre eine günstige Lösung und auch der Einbau sei unproblematisch versicherte mir der Mann mit den großen, aber sensiblen Lichtmaschinen-Schrauberhänden. Ich nickte erleichtert - und ein frugales Mahl in der Pommesbude beschloss diesen an Aufregung reichen Abend. Nachts träumte ich von AC/DC, die "High Voltage" im Kofferraum aufführten.

Ein neuer Tag, ein neues Auto: Ich fuhr im Opel zum Brotwerb und staunte erneut über diesen Ausbund an Zuverlässigkeit, der immer klaglos zu Diensten ist, wenn man ihn braucht. Dann der Anruf von T.: Regler eingetroffen, konspiratives Treffen zwecks Einbau nach Dienstschluss verabredet. Als ich am vereinbarten Treffpunkt autauche, stelle ich fest, dass der Schlangenmensch den neuen Regler bereits installiert hat - ohne die Haube zu öffnen, denn den Wagenschlüssel führte ich bei mir. T. hatte sich trotz imposanter Körpergöße unter das Auto gequetscht und war der Lichtmaschine von unten auf den Pelz gerückt. Respekt.

Bange Sekunden folgten: Wird alles gut? Erneutes Starten mit der Fremd-Energie eines 40jährigen:


Der Benz röchelt, rattert, schüttelt sich. Und dann dieselt er vor sich hin, als sei nie etwas gewesen. Ich will bereits Allah, Jesus und sämtlichen heidnischen Schraubergöttern mit einem Pommes-Festmahl huldigen, da holt mich T. mit seinem seltsamen Messgerät auf den irdischen, ölfleckigen Boden zurück: Das unbestechliche Gerät ermittelt, dass die Spannung der Lichtmaschine ständig geringer wird, während die Spannung beim Altauto-Betreiber permanent zunimmt. Und so erwartet mich ein zweiter Abend in der Doku-Soap "Schatten über Untertürkheim" - ich verbringe ihn vor dem Internet, um eine neue Lichtmaschine zu erwerben. Nachts träume ich von Gilbert Becaud - "Monsieur 100.000 Volt".

Werden unsere Helden die Mächte der Finsternis besiegen? Wird das Ersatzteil vor Einbruch der Dunkelheit geliefert? Wird T. wieder Gummistiefel tragen? Stay tuned!

Mittwoch, 25. Januar 2012

Starthilfe

Das Radio geht auf einmal aus. Es ist schon dunkel, der Benz tuckert gen Heimathafen - und dann das. Kein Sound dringt mehr aus den 1983er-Membranen. Als erfahrener Altauto-Betreiber weiß ich: Da kommt noch mehr. Und wirklich, je näher ich meinem Zuhause komme, umso schwächer glüht die Instrumentenbeleuchtung, obwohl ich sofort alle überflüssigen Stromverbraucher ausgestellt habe. Auch die Außenscheinwerfer werfen nur noch ein äußerst fahles Licht. Aber ich bin ja ein erfahrener Altauto-Betreiber, und die brauchen auch im Notfall immer Zigaretten. Deshalb noch flugs an der Trinkhalle vorbeigefahren, um Tabak zu erwerben. In weiser Voraussicht parke ich auf einem regulären Parkplatz und nicht wie sonst wild auf dem Bürgersteig.

Nach getätigtem Kauf des Suchtmittels zurück hinters Lenkrad des Sternenkreuzers. Ich drehe den Zündschlüssel, lasse die Glühkerzen vorglühen, aber der Benz dankt es mir mit abgrundtiefer Verachtung: Er schweigt. Kein Anlasser dreht sich, kein Zündfunke will funken, kein Kolben sich heben oder gar senken.

Ich wähle die Nummer von Mr. T., dem Alleswisser. "Lichtmaschine", schnauft er in den Hörer und ich schnaufe ebenfalls.  T. verspricht Trost, wohlwollenden Zuspruch sowie die Beibringung eines Voltmeters und eines Starthilfekabels. Wenig später stehen wir auf dem zugigen Parkplatz und erwecken den Oelmotor 617.912, so die korrekte Werksbezeichnung, mithilfe von T.s VW Bus' wieder zum Leben. Und das ist auch schon die gute Nachricht.




Werden unsere Helden die kalte Nacht überleben? Wird der weiße Sternenkreuzer jemals wieder Licht und Wärme produzieren? Und warum trägt Mr. T. Gummistiefel? Stay tuned!

Sonntag, 22. Januar 2012

Cello

Das Cello als solches erlebt ja im Moment eine ungeahnte Renaissance in der popkulturellen Wahrnehmung, dank des gleichnamigen Songs vom Joopi Heesters des Rock, Udo Lindenberg. Ich kann in das Loblied auf dieses Instrument und seine Bezwinger(innen) nur einstimmen - wenn auch aus anderen Gründen als den durchsichtig amourösen des Herrn L.

Ich kam nämlich unlängst in den Genuss einer privatissime Vorführung dieses wunderbaren Streichgeräts. Mein Wohnbereich verwandelte sich zu den Klängen des "Tema Variaciokkal" des ungarischen Komponisten Sugar Rezso in ein akustisches Refugium vor dem Alltag (NB: die ungarische Schreibweise von Stück und Komponist ist etwas anders, mit ganz vielen Häkchen und Ösen und seltsamen Buchstabenanhängseln, ich benutze hier quasi eine vereinfachende Version, da meine Sonderzeichen-Tastatur im Urlaub ist).


Und so ein Cello ist im Wortsinn ein Resonanzboden für Geist und Seele, denn als ich so freudig-fasziniert der jungen Virtuosin lauschte, überkam mich eine große Gelassenheit und Ruhe. Sitzt man unmittelbar neben dem Instrument, wird das klanglich zu einer nahezu körperlichen Erfahrung, die man im Komzertsaal so nicht mitbekommt. Ich hätte gerne den ganzen regnerischen Nachmittag zugehört und mich treiben lassen.

Und so ähnlich ging es Herrn L. ja auch, wenn auch aus durchsichtig amourösen Gründen.

Samstag, 21. Januar 2012

Soviel dazu.


In Berlin endet heute die Fashion Week. Und in gut einem Monat beginnt die Staffel von Germany's Next Top Model 2012.

"If you're out there and you're good looking, maybe you're beautiful, just remember one thing: There's more of us ugly mother fuckers than you are!"

Frank Zappa

Freitag, 20. Januar 2012

Geburtstag


„Herbert, watt is mitte Garante?“- „Nix Garante! Gekauft wie besehen!“ Herbert war nicht in bester Verkäuferstimmung an diesem nebligen Tag irgendwann in den Achtzigern auf irgendeinem Schrottplatz am Rande der Stadt. Wir – mein Kumpel M. und ich – waren dort, um für M.s neuesten Fund aus der Reihe „Abgerockte Alltagsautos“ einen neuen Motor zu erstehen. Wobei „neu“ bei unserem schmalen Budget natürlich bedeutete, einen euphemistisch „Austauschmotor“ genannten hustenden Antrieb auf eben diesem Schrottplatz ausbauen zu lassen und in meinem ebenfalls asthmatischen Kadett in die heimatliche Werkstatt (sprich: Hinterhof) zu expedieren. Das war nämlich der Haken an M.s neuem Gebrauchtwagen: Der Motor war platt.

Das „Ausbauen“ des Alternativ-Aggregats übernahm der Schrotthändler: Auto mit Stapler vom Mount Everest der oxidierenden Alteisensammlung runterheben, auf Augenhöhe ablassen und dann mit Hilfe dreier finster blickender Spießgesellen die komplette Karosse auf die Seite kippen. Motorlager lösen und – krawäng! – plumpste der gußeisere V4 auf den schwermetallverseuchten Boden des Ausbeiner-Betriebs. Dort sammelten wir ihn auf und hievten ihn unter handelsüblichem Ächzen in den Kofferraum meines giftgrünen Opel. M. war glücklich: Sein Granada, Baujahr 1976, bekam ein neues Herz. Ohne „Garante“.

Auf dem Hinterhof meiner damaligen Freundin ging es dann an die Herztransplantation. Die Dame war angehende Kfz-Mechanikerin, ihr Vater gelernter Karosseriebauer - eine Traumkombination, die ich zu meiner Schande nie vollumfänglich nutzen konnte. Unter autotechnischen Gesichtspunkten hätte ich sie vom Fleck weg heiraten und ihren Vater mit harten Alkoholika auf meine Seite ziehen müssen, aber ach, die Flatterhaftigkeit der Jugend!

Anyway, der Ford wurde an einem langen, langen, sehr langen Wochenende wieder fit gemacht und schon bald knatterte das liebliche V4-Aggregat fröhlich durch die vorstädtische Wohnsiedlung. Kumpel M. wurde nicht müde, die Segnungen der Innenausstattung zu preisen ("Vario-Air-Düsen!) und wir fläzten uns auf den breiten Couchsesseln des roten Schlachtschiffes, während aus dem Radio die Musik dröhnte, die meine Eltern immer hassten. Apropos: M.s Freundin weigerte sich standhaft, auch nur eine Fahrt mit dem roten, äh, Renner zu unternehmen - der Granada war für sie der Inbegriff des sozialen Absturz, Symbol gesellschaftlicher Paria und eine ästhetische Ohrfeige. Es ging dann auch nicht mehr lange gut mit den beiden.

Allerdings war auch die Beziehung M.s zu seinem Türkenmobil nicht ohne Fehl und Tadel. Das lag nicht an den Vario-Air-Düsen, die den Innenraum stets klag- und geräuschlos mit Frischluft versorgten, nein, es lag an jenem Triebwerk, das wir auf dem Schrottplatz ohne "Garante" erstanden hatten - der Stoßstangen-V-Motor war leider ein verkappter Gehilfe der Erölexportierenden Länder und zeichnete sich durch exzessives Saufen aus. Und zwar von Öl. Der Verbrauch des schwarzen Goldes war so hoch, dass an guten Tagen (schlechten, besser gesagt) mehr davon durch den Motor lief als Benzin. Wo das klebrige Zeug immer blieb, wußten wir auch nicht, nur die Ölflecken vor dem M.'schen Elternhaus gaben einen zarten Hinweis.

M.s Budget war, wie gesagt, begrenzt, und die Anschaffung einer eigenen Bohrinsel überstieg seine finanziellen Möglichkeiten bei weitem. So kam, was kommen mußte: Der Granada mußte gehen. Wir haben ihn trotzdem gern gehabt, wenn wir damit fahrbiertrinkend durch Holland cruisten - eine blaue Ölfahne hinter uns herziehend und mit jener Musik im Radio, die meine Eltern immer so hassten.



Der Granada feiert in diesem Frühjahr übrigens seinen 40. Geburtstag.

Mittwoch, 18. Januar 2012

Gebrauchsanweisung


"Erstens: Verlier nicht die Ruhe! Denn alles geschieht gemäß der Allnatur, und bald wirst Du ein Nichts und nirgends sein, gerade wie Hadrian und Augustus. Und dann blick unverwandt auf die Sache, fass sie scharf ins Auge und bedenk dabei, dass Du ein guter Mensch sein musst und was die Natur des Menschen von Dir fordert. Und das tu, ohne rechts und links zu sehen, und rede, wie es Dir am gerechtesten zu sein scheint, jedoch immer voll Güte und Zartgefühl und ohne Falsch."

Mark Aurel, Selbstbetrachtungen

Hello!

Ein Tearjerker-Song der 80er, ein Klammerblues-Klassiker von gestern - in einer ungewöhnlichen Version:

Montag, 16. Januar 2012

Es gibt Schlimmeres...

...als in einem Besprechungsraum mit dieser Aussicht zu sitzen. Nicht im Bild: Der Sonnenuntergang auf der anderen Seite des Gebäudes.

Aus Gründen des rheinischen Gleichgewichts hier noch ein Winterfoto aus der ANDEREN Stadt am Fluß.
 

Was das soll? Nun, manchmal muss ich mich selbst daran erinnern, dass der Winter auch SCHÖN sein kann. Manchmal.

Dienstag, 10. Januar 2012

Der dunkle Grenzbezirk (6)


Morgens halb zehn in Deutschland.
"Mach die Tür auf, Du Arsch!!!" Nein, keine verspätete Aufforderung bezüglich eines Adventskalenders, nur der normale Umgangston unter den Bewohnern des Nachbarhauses. Die Mehrheit der rechtschaffenen, gesetzestreuen Bürger in meiner Straße nimmt derartige Dialoge schon gar nicht mehr wahr - zumindest, solange sie nicht einen gewissen Grad an Hysterie übersteigen. Hier gehören brüllende Bewohner quasi zur Serienausstattung, nur extreme Beleidigung oder Körperverletzung sind kostenpflichtige Extras.

Allerdings: Die Stimme wird lauter. "Aufmachen, Du Arsch!!! Soll ich die Tür eintreten?" Eine weibliche Stimme, in Höhenlage. Das Hyster-o-meter unter den Nachbarn schlägt aus. Es wird also kritisch. Das denkt sich auch die Staatsmacht und fährt mit einem Peterwagen vor. Keine Ahnung, wer die gerufen hat. Die weibliche Stimme wohl nicht, die ist gerade beschäftigt mit Beschimpfungen aus dem Repertoire von Rap-Videos. Zwei Beamtinnen steigen aus dem Streifenwagen aus und nehmen sich der Situation an. Ich kehre zurück an den Schreibtisch, schließlich habe ich ja was anderes zu tun als Reality-TV-Darstellern bei der Ausübung ihrer Passion zuzuhören. Einige Minuten lang höre ich noch die gedämpften, immer gleichen Diskussionen mit den blau uniformierten Schiedsrichtern in diesem Celebrity Death Match auf Hartz4-Niveau. Nichts Besonderes.

Dann allerdings stören mich die Sirenen von einem, nein, zwei weiteren Streifenwagen, die mit Höchstgeschwindigkeit und quietschenden Reifen vor dem Nachbarhaus auflaufen. Irgendetwas ist aus dem Ruder gelaufen. Wüstes Getrappel, polternde Geräusche - und jetzt: Eine Männerstimme. Ich verstehe nur "Auf den Boden!" und ein protestierendes Gefluche. Monsieur Aggro scheint not amused. 

Madame Aggro hingegen kreischt jetzt nicht mehr, sondern redet vor dem Haus auf die restliche Polizei-Truppe ein. Man palavert so vor sich hin und dann wird Monsieur Aggro auf den Boden geplumpst, direkt unter meinem Fenster. Da sitzt er dann gut zehn Minuten, rührt sich nicht. Bis ein weiterer Streifenwagen vorfährt und ihn einlädt - im Kittchen ist ein Zimmer frei.

Ich weiß nicht, ob das Frühstücks-Ei zu hart war oder ob die beiden Protagonisten des Sozialdramoletts andere Probleme haben - ich weiß nur, dass es schwer fällt, ruhig am Schreibtisch zu sitzen, wenn unten die Parallelgesellschaft Kleinkrieg spielt.

Morgens halb zehn in Deutschland.

Brandgefährlich


In diesem Post habe ich eine zeitlos gültige Haushaltsregel einem falschen Urheber zugeordnet. Beide Beteiligten - der fälschlicherweise Genannte wie der wirkliche Urheber - legen Wert auf eine Richtigstellung. Ich gebe ihnen hiermit mein Ehrenwort - ich wiederhole: mein Ehrenwort - dass die Formulierung des Posts nicht in böser Absicht entstanden ist. Trotzdem möchte ich im Bewußtsein meiner Verantwortung vor Gott und den Menschen nicht von meinem Amt zurücktreten.

Also: Das Zitat "Schmutziges Geschirr schimmelt nicht, wenn man es rechtzeitig einfriert." stammt nicht von Leser U. (zur Zeit Gozo), sondern von Leser T., dessen "Anwälte" mich unter Androhung von Zwangsmaßnahmen ("Der Rubicon ist überschritten. Wenn Du das nicht korrigierst, reden wir mit Diekmann!") auf den bedauerlichen Umstand der Verwechslung aufmerksam gemacht haben.

Und lesen Sie morgen, welche "Bitte" T. vor Veröffentlichung des Posts WIRKLICH auf meine Mailbox gesprochen hat!

Montag, 9. Januar 2012

E + 1

Kinder, ich hab's verpennt. Gestern war E-Day, das Weihnachtsfest des Rock'n'Roll, der Geburtstag des Messias: Elvis Aaron Presley wäre 77 Jahre alt geworden, hätte ihm nicht schon 1977 ein Bananen-Erdnussbutter-Sandwich auf der Toilette zu einem ganz un-rock'n'rolligen Ende verholfen.

Ich kenne Menschen, für die endet die Musikgeschichte mit Elvis' Wechsel von Sun Records zu RCA - und dafür gibt es wirklich gute Gründe. Wer will sich schon an den Hollywood-Elvis erinnern, der in schlechten Filmen zum Teenie-Abziehbild degenerierte? Oder an den "Muss i denn"-Kasper, der in seiner Militärzeit das deutsche Eltern-Publikum mit Schlagerschrott von der Erotik seiner Körpersprache ablenken wollte? Oder an den Elvis, der Präsident Nixon als Anti-Drogenkämpfer die Hand schüttelte, während er sich vor dem Pressetermin noch jede Menge bunte Pillen einwarf?

Nein, der Elvis, den es bedingungslos zu verehren gilt, ist einer, wie er in diesem Video hier zu sehen ist - ein vor Selbstbewußtsein strotzender junger Rabauke, der im September 1956 in seine Heimatstadt Tupelo zurückkehrt und einen Triumph abhält. Und ihr könnt mich schlagen, aber bei den ersten Takten von "Heartbreak Hotel" läuft mir immer noch ein Schauer über den Rücken.
Ihr dürft auch kreischen!

Donnerstag, 5. Januar 2012

Der Kombinat-Kraftwagen

Beim Retronauten entdecke ich ein weiteres Mitglied der Spitzengruppe meiner automobilen All-Time-Top-Ten: Einen Wolga Gaz 24 auf sehr schönen Werbebildern aus einer Zeit, in der es noch Kol- und Sowchosen gab und der Kybernetiker von Rang mit der dunklen Stasi-Limousine die Mädels abschleppte.


Die Kolchos-Traktoristinnen posierten derweil in landesüblicher Kittelschürzen-Tracht für ein exquisites Exemplar in Menschewiki-Weiß, während Genosse Buchhalter lässigen Smalltalk simulierte:


Andere Mädels hatten es da schon besser: Sie hatten nicht nur die hippere Garderobe, sondern sich auch einen Polyesteranzug-tragenden Oberleutnant der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland geangelt, mit dem sie am Wochenende unter amouröser Zielsetzung das Unterholz hinterm antifaschistischen Schutzwall  durchkämmten:


Unbestrittenes Highlight der Wolga-Generationen bleibt allerdings die Kombi-Version, wobei "Kombi" hier selbstredend nicht für Kombinations- sondern Kombinats-Kraftwagen steht. Ein Traum in Schwarz! (Im Hintergrund rechts lungert übrigens so etwas wie ein Straßenkreuzer rum - ein Spionagefahrzeug der amerikanischen Militärmission?)


Und ja, ich weiß, das Ding hat nur Trommelbremsen und einen Bremsweg von Berlin bis Wladiwostok...

Mittwoch, 4. Januar 2012

Menschen auf dem Rummel

Schöner Clip, der die winterliche Atmosphäre auf dem Hamburger Dom gut rüberbringt - eine Mischung aus verzweifeltem Glücksversprechen und neongreller Einsamkeit:


Dienstag, 3. Januar 2012

Was die Großmutter noch wußte...

Leser U. (zur Zeit Gozo) verdanke ich folgenden sachdienlichen Hinweis, der hiermit aus den Kommentaren herausgefischt und zum vollwertigen Blog-Eintrag befördert wird:

Schmutziges Geschirr schimmelt nicht, wenn man es rechtzeitig einfriert.

Geschirr mit frischer Matschepampe (noch sauber, aber auch unappetitlich).

Montag, 2. Januar 2012

Im Abseits.

Ab dem 13. Januar wird die Fernsehrepublik wieder hohl drehen, öffnet doch an diesem Tag das Dschungelcamp beim Kultursender RTL seine bambushölzernen Pforten. Neben der üblichen Versammlung von Wannabe-Promis (z.B. Rocco Stark, von Beruf Sohn von Uwe Ochsenknecht und wie all dessen Nachkommen mit einem selten bescheuerten Vornamen gebeutelt) und Fast-mal-berühmt-Gewesenen (Martin Kesici war mal "Star Search"-Gewinner? Ist das ein Lehrberuf?) ist in diesem Jahr auch der kleine dicke Mann dabei, der sich hier sein linkes Bein von einem gut bezahlten persönlichen Assistenten gen Himmel recken lässt:


Aílton Gonçalves da Silva, oder eben einfach nur Ailton heißt der Herr, der einst als Torgarantie und Fußballer des Jahres für Werder Bremen, Schalke et al. die Bundesliga bereicherte, nach einigen Eskapaden und finanziellen Husarenstücken seine Karriere jedoch in unterklassigen Vereinen fortsetzte - wie oben zu sehen, als er im Trikot des KFC Uerdingen am letzten Spieltag der Niederrheinliga beim Angstgegner Union Solingen antreten musste. In der ersten Halbzeit trabte er lässig und ohne Torerfolg über den Platz, in der zweiten Halbzeit lief er schon nicht mehr auf. Das Spiel endete 3:3 und der Mann aus Brasilien war nicht mehr als eine Spott-Steilvorlage für die ca. 16 Solinger Ultras.

Nun also ist er im Dschungel gelandet, und wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, WIE tief unten der einstige Ball-Profi wirklich ist, dann ist es die Meldung seiner Teilnahme am Bootcamp für abgebrannte Semi- bis Viertelpromis.
Wir sollten für ihn sammeln.