Freitag, 18. November 2011

Meine größten Erfolge

Ich kann ja nicht immer nur austeilen. Menschen aus meiner Heimatstadt sind erbost über meine wenig schmeichelhafte Beschreibung der kleinstädtischen Idylle daselbst - und sie haben selbstverständlich alles Recht dazu. Meine Betrachtungen entbehren nicht einer gewissen Subjektivtät, von Bosheit ist gar die Rede, und die Ausflucht, der Leser schaffe die Geschichte, nicht der Autor, gilt auch nur begrenzt und ausschließlich in Philosophieseminaren zur Postmoderne.


Nun sind wir hier im katholischen Rheinland und wenn ich auch vor Jahren einer qua Geburt verordneten Aberglaubensgemeinschaft entflohen bin, so will ich doch heute einen schönen alten Brauch aus den Reihen des Katholizismus für mich nutzen, um fürderhin umso heftiger als apodiktischer Apostel posieren zu können: Die Beichte.
So wie man in den Gotteshäusern am Sonntagmorgen die Verfehlungen des Samstags gesteht und den Rest der Woche dann in Frieden weiter sündigen darf, so will ich heute einige meiner pikanten Geheimnisse lüften, um eine Art Wiedergutmachung für mein stadtlästerliches Tun zu erwirken. Auf dass all die, die sich angesprochen fühlten, reinen Herzens sagen können: Ego te absolvo. Denn sehet, auch ich bin nicht ohne Fehl und Tadel - so wie die kleine Stadt!

1. Wie ich einmal einen prima Studentenjob hatte
Regel Nummer 1: Wenn Du Scheisse gebaut hast, sei demütig. Besonders gegenüber Deinem Chef. Es kommt NIE gut an, wenn Du gerade den flammneuen Firmen-Fiat Ducato auf der gesamten rechten Seite kaltverformt hast und souverän behauptest, die kleine Beule sei ganz fix wieder beseitigt. Selbiges wird nicht als Fachkenntnis angesehen, sondern als Grund, das Arbeitsverhältnis auf der Stelle zu beenden.

2. Ich kenne Gina Wild
Niemand gibt das gerne zu - und allein die Erwähnung dieses Namens wird meinem Blog zahlreiche neue Besucher bescheren, die hier eher nicht die Art von Entspannung suchen, wie sie Meckereien über Kleinstädte oder Produktbeschreibungen von dreißig Jahre alten Autos verheißen. Ich sag es trotzdem loud (but not proud): Ich kenne Gina Wild. Vor vielen Monden gab es, äh, berufliche Gründe für ein Zusammentreffen - und bevor sie nun das komplett Aber-sowas-von-Falsche denken und mich für eine Art Pornographiepapst halten, möchte ich Ihnen hastig und schwitzend versichern, dass diese Gründe nichts mit schmutzigen Dingen im Sinne der katholischen Sexualmoral zu tun hatten. Es war ganz anders und ich kann selbstverständlich alles erklären!

3. Ich habe getötet
Auch das gibt niemand gerne zu. Aber ich gestehe es hier ganz offen: Im letzten Jahr habe ich an einem lauschigen Spätsommerabend im fahlen Licht zweier Autoscheinwerfer einen veritablen Totschlag begangen. Das Opfer: Eine wunderschöne, herrlich anzuschauende, wahrscheinlich äußerst selten anzutreffende - Kröte. Keine normale Kröte hiesiger Dimension, nein, es war eine lombardische Kröte von den Ausmaßen eines Suppentellers. Sie fand ihr Ende an einem italienischen Berghang, über den zufällig auch mein Heimweg per Auto verlief. Als ich sie sah, war es bereits zu spät: Es gab ein wirklich hässliches, donnerndes PLOPP!, ich hielt an, begutachtete den Leichnam - und beging Fahrerflucht. Mehr noch: Ich beseitigte am folgenden Tag die Spuren an meinem linken Vorderreifen, der bei jeder weiteren Fahrt blutverklebt als rollende Anklage das Lied vom Tod gesungen hatte. Nachts erscheinen mir nun gelegentlich rachsüchtige Vertreter der amphibischen Gattung Bufonidae im Traum. Zufall?


4. Starker Abgang
Du verbringst die erste Nacht mit einer attraktiven Frau. Alles läuft nach Plan, die Stimmung ist angemessen romantisch, der Mond scheint und in der Ferne hörst Du den Gesang einer jungen Kröte, nein, Nachtigall. Dann passiert es: Eine falsche Bewegung, die Hitze des nächtlichen Tete-a-tete lässt Dich die Dimensionen des Bettes falsch einschätzen, Du verlierst den Halt und - ZACK! - fällst Du donnernd auf den extrem kühlen Laminatboden. Schwindel umgibt Dich, Du stotterst irgend etwas von Schwerkraft und verfluchst leise Dein Vestibularorgan im Innenohr, das es mit der Aufrechterhaltung des Gleichgewichts heute nicht so genau nimmt. An weitere erotische Eskapaden ist in dieser Nacht jedenfalls nicht mehr zu denken.
Erregte Gemüter gibt es dennoch - aber nur bei den Nachbarn unter Dir.

5. Ich bin ein Verkehrsrowdy
Nicht nur Amphibien sollten sich vor mir und meinem Killer-Auto in Acht nehmen, ich bin beim Führen eines Kraftfahrzeugs allgemein eine Gefahr für die Allgemeinheit. Nein, ich gehöre nicht zu den Dränglern, Lichthupern oder Stinkefingern, aber dennoch bin ich nach Meinung der örtlichen Polizei brandgefährlich: Ich habe nämlich eine aufgeklebte Sonnenblende auf der Windschutzscheibe und keine Radkappen an meinem Käfer. Das reicht für Bußgeld und Nachschulung.
So geschehen in der kleinen Stadt, die ich so hassliebe, und deren Ordnungshüter im Jahre meines Führerscheinwerwerbs nichts Besseres zu tun hatten, als mich für mein dreistes Ignorieren der entsprechenden Paragraphen der Straßenverkehrszulassungsordnung nachhaltig auseinander zu nehmen. Und meinen Käfer gleich mit. Muß ja auch so sein - in der kleinen Stadt, die die Ursache für dieses Bekennerschreiben hier ist, gibt es ja auch viele positive Dinge. 

Law and Order steht dabei ganz oben auf der Liste.

Kommentare:

  1. Wenn du mal'n buch schreibst sag bescheid.
    ich würds lesen. zum beispiel gerne heute.

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  2. Smilla,
    ich bin ja eher der Mann für die Miniatur und kein Buchstaben-Marathonläufer. So ein Buch besteht einfach aus zu vielen Seiten, die gefüllt werden wollen...

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