Sonntag, 13. November 2011

Ludi incipiant.

Strategiespiele habe ich nie gemocht. Die Faszination nächtelangen "Risiko"-Spielens erschloss sich mir nie, ganz zu schweigen vom zweifelhaften pädagogischen Wert dieses Kinderimperialismus. "Spiel des Lebens", "Monopoly" - ich war stets verloren für diese in meinen Augen langatmige Simulation realer Gegebenheiten. Auch Schach war nie mein Ding. Ich dilettierte mit Springer, Läufer und Bauern fröhlich vor mich hin, um letztendlich meist in einem suizidalen Akt der Verzweiflung meine Dame dem gegnerischen und finalen Todesstoß auszusetzen. Der König folgte stets zwangsläufig kurz darauf.



Der Grund meiner Abneigung war simpel: Alle diese Spiele setzen eine Art Liebe zur Mathematik voraus, denn es geht immer um das Berechnen von Wahrscheinlichkeiten. Nun gehörte ich allerdings seit der siebten Klasse zu denjenigen, denen die wunderbare Welt der Zahlen stets eine Quelle allergrößter Verwirrung und - im Falle von Prüfungen, Klassenarbeiten, Tests - allergrößter Seelenpein war. Noch heute grausen mich Erinnerungen an Pythagoräische Sätze, mißratene Kurvendiskussionen und händeringende Mathematiklehrer wie die Phantomschmerzen eines Beinamputierten. Der Unterricht war für mich inhaltlich eine Qual. Dafür hatten Leidenskollege A. und ich, die offiziell zertifizierten Dyskalkulierer des Jahrhunderts (Abitur-Mathenote: Null Punkte), allerdings immer viel Spaß in der letzten Reihe, in Fachkreisen auch als Reihe der Verdammten bekannt.

Einer jungen Dame verdanke ich jetzt, nun ja, nicht gerade die Renaissance der Mathematik (Taschenrechner sind echt super!), aber die Wiederentdeckung des mathematischen Spiels als intellektuelle Fingerübung. Das Spiel der Könige hat mich wiedergefunden, auch wenn es ganz unköniglich in Gestalt eines Minimalschachbretts an meinem Küchentisch daherkommt. Was anfangs noch ein wenig widerstrebend von mir angegangen und immer mit dem Verweis auf neuzeitliche Ablenkungsmöglichkeiten a la Playstation versehen wurde ("Ich muß noch die Nordschleife bei Gran Turismo unter acht Minuten schaffen!"), hat mich nun doch noch in seinen Bann gezogen. Der eine oder andere wird meine neu entflammte Begeisterung milde lächelnd abtun (insbesondere die Karpov-Jünger und Freunde von Boris Wassiljewitsch Spasski  aus dem örtlichen Schachclub), aber damit kann ich leben. Wie immer geht es schließlich darum, die Dinge für sich zu entdecken.

Aber ich schweife ab. Die junge Dame jedenfalls ließ sich von elektronischen Alternativen nicht beirren und beharrte auf einer gepflegten Partie Schach bei Schokolade und Heißgetränken. Und siehe da: Nach zweieinhalb Stunden hatten wir immer noch nicht genug. Gut, ich habe mehrmals verloren, weil ich in einem suizidalen Akt der Verzweiflung meine Dame... aber das kennen sie ja schon! Dennoch: Ich bemühe mich um ein abgewogenes Vorgehen ohne Kuzschlusshandlungen - auch wenn es mir nicht immer gelingt. Muss mein Hang zur Show sein...

Sie möchten wissen, wer diese junge Dame ist? Voila: Sie ist Schachspielerin, Fußballfan, Laufwunder, Cellistin, Judoka, Triathletin, Schönheitskönigin und Expertin für angewandte Sozialkompetenzen. Sage mal einer, man könne von den jungen Leuten nix mehr lernen!

Kommentare:

  1. Fehlerteufel ist Mathe nur dein Untergang ?
    Gran Turismo wird`s nich Gran Tourismo geschrieben ?Kommt´s nich von Tour ?
    Der BERTI

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  2. Sehr geehrter Herr Duden,

    ich habe Ihre freundliche Zuschrift umgehend an die Spieleentwickler bei Sony weitergeleitet, damit sie ihren schrecklichen Fehler zumindest bei Gran T(o)urismo 6 korrigieren können.

    Herzlichst
    A. Nalphabet

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