Freitag, 30. September 2011

Teufel, ein Sternenkreuzer!

Ein Teufelchen sitzt auf meiner Schulter.

Das kleine Satänchen mit den beiden winzigen Hörnern piekst mir gerne ins Ohrläppchen und flüstert verführerische Worte (wahrscheinlich ein weiblicher Teufel): "Kombinationskraftwagen!" raunt es/sie. Und: "Mercedes!"

Nun lasse ich mir ungern von Bewohnern subterraner tropischer Gegenden vorschreiben, was ich zu tun habe (auch wenn sie meinetwegen Prada tragen) und deshalb schalte ich trotz der penetranten Sirenengesänge von rechts des Kopfes gelegentlich auch meinen Verstand ein. Das Schlimme ist nur - meine Synapsen und Rezeptoren gelangen zu demselben Ergebnis wie die Beelzebübin.

Es macht einfach Sinn, dieses Auto hier zu kaufen:



Es gibt nicht viel, was gegen einen Erwerb sprechen würde. Gut, der Benz hat ein bißchen ein Kegelbruder-Image und darüberhinaus einen Agrarhaken (vulgo: Anhängerkupplung). Doch ich selbst habe mehrere Jahre einer Art Punkrock-Kegelclub angehört (den berühmten "Lindenhof Ramblers") und die Kupplung kann man abschrauben und beim Internetauktionshaus verhökern.

Aber ich möchte nicht voreingenommen sein. Halten wir uns an die Fakten:

Der Mercedes Benz W123 300 TD hat eine Laufleistung von 444.000 Kilometer - in Fachkreisen gilt der Motor damit als gerade der Einfahrphase entsprungen. Im Libanon fahren sie mit dieser Maschine bereits, seit Arafat das Land hastig verlassen musste. Ohne Ölwechsel. (Der Motor, nicht Arafat!) Das Automatikgetriebe schaltet butterweich und nahezu unmerklich. Ansonsten: elektrische Fensterheber vorne, Tempomat, elektrische Antenne (!) - und alles funktioniert. Herkunft: Department Poitou / Frankreich. Wahrscheinlich ein solventer Weinbauer, der im teppichgeschmückten Laderaum den Beaujolais zum idyllischen Marktplatz transportierte.



Das Klima im Poitou muss in jedem Fall in den letzten 30 Jahren sehr mild gewesen sein: AB-SO-LUT rostfreier Zustand - okay, eine kleine Stelle am hinteren Kotflügel. Aber nix Ernstes. Die anderen üblichen Verdächtigen bleiben ohne Befund: Wasserkasten, Radläufe, Frontschürze, Haubenscharniere - alles Tip und überall Top. Und das Beste zum Schluss: Ab 2012 kann er ein H-Kennzeichen bekommen. Das Thema "Dieselsteuer" verliert damit seinen Schrecken, mit pauschal 190 Euro nagelt der Benz dann ins fiskalische Nirvana. Erwähnte ich schon die sexy gelben Nebellampen?

Nun ist kein Auto perfekt - und dieses auch nicht. Die Bremsen sind selbst für französische Verhältnisse, nun ja, trés léger in ihrer Arbeitsauffassung und sollten möglichst durch motiviertere Vertreter ihrer Art ersetzt werden. Und der Kühler könnte auch mal erneuert werden. Das war's auch schon. Unnötig, zu erwähnen, dass diese Schönheitsfehler bereits in die Preisgestaltung Eingang gefunden haben. Und vier neue Reifen gibt's obendrauf.

Verdammt, mir fallen keine Ausreden ein, dieses Auto NICHT zu kaufen. Und das Flüstern der Teufelin wird immer lauter.


1 Kommentar:

  1. oha! wo hastn den aufgegabelt? .. und was soll er kosten? .... und wenn du nicht, dann vielleicht ICKE? ...obwohl automatik ist ja nicht so meins ... und "absolut rostfrei" sind die kisten ja bekanntlich alle, nicht wahr? ;-)

    gruß aus B. von M.

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