Montag, 19. September 2011

Die Drei Fragezeichen

Was ich lieber gehört hätte.
Sonntagabend, Essigfabrik Köln. Schon seit Monate hatte es im Kollegen- und Freundeskreis gesummt, die Karten waren längst besorgt, das Konzert war ausverkauft: Kitty Daisy and Lewis sind in der Stadt!

Also pilgerte ich wie viele andere ins rechtsrheinische Industriegebiet, um mir das Fähnlein Fieselschweif des Rock'n'Roll anzusehen und einen schönen Abend bei den reduzierten Neo-Retro-Klängen des Trios aus London zu verbringen. Erste Überraschung: Das Publikum. Man ist es ja gewohnt, bei Acts dieser Art die immer gleichen - und stets aufs Neue interessanten - Vertreter einer bestimten Sorte Coolness anzutreffen: Rocker mit Attitude, Schmalztollen, Bootsträger, schöne Frauen mit breitem Hintern, Retronauten. Hier kam aber noch eine andere Spezies hinzu - Hausfrauen, Nachwuchs-Lottokönige mit Münz-Mallorca-Teint und aufgekratzte Teenies mit Flatrate-Saufen-Erfahrung. Vereinzelt ein paar in die Jahre gekommene Skinsheads mit ihren Reenies. Hm.


Was wohlwollend als "bunte Mischung" bezeichnet werden könnte, entpuppte sich bei längerem Aufenthalt dann allerdings als explosives Gemisch konkurrierender Auffassungen von Spaß. Ein Faktor, der dabei wohl ebenfalls eine Rolle spielte, war die Menge an Menschen. Nichts gegen ausverkaufte Konzerte, aber in der Essigfabrik war es so eng, dass an ein entspanntes Mitfiebern mit den Musikern oder gar eine ausgelassene Tanzeinlage nicht zu denken war. Stattdessen: Ein ständiges Geschiebe, Geknuffe und Gepuffe. "Da werden Weiber zu Hydranten" (Donald Duck) und die Männchen schalten um auf Testosteronproduktion im großen Stil. Schön ist anders.

Zweite Überraschung: Die Band. Wie waren sie? Ach Gottchen, ja. Kitty Daisy and Lewis ließen lange auf sich warten und spielten dann ein Set herunter, das seltsam blutleer und unsexy daherkam. Mir war das alles viel zu glatt. Die drei sind wahrscheinlich eine prima Clubband, aber in dieser Medium-sized Halle verpuffte sämtliche Energie angesichts einer Masse, die in ihren schlechtesten Momenten in kindische Mitklatsch-Euphorie verfiel, wie wir sie sonst nur aus dem Musikantenstadl oder alten Rockpalastaufzeichnungen kennen. Und von der Bühne kam nichts, was diese langweilige Routine hätte erschüttern können. Da stand eine musikalische Excel-Tabelle und spulte eine Zeile nach der anderen ab.

Menschen, deren Musikgeschmack ich schätze, fühlten sich von Kitty Daisy and Lewis daher durchaus zutreffend an die Showband der Knoff-Hoff-Show erinnert. Joachim Bublath, übernehmen sie!

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