Dienstag, 5. Juli 2011

Die Motz-Metropole



Über die ablehnende Haltung der Berliner Einwohner gegenüber Touristen habe ich ja bereits berichtet. Je länger ich über dieses Thema nachdenke, desto bornierter kommt mir die hier praktizierte Verweigerungshaltung allerdings vor - und das hat nichts damit zu tun, dass ich selber gerade ein Tourist bin.

Es ist doch bemerkenswert, dass ausgerechnet die sogenannte Weltstadt ihre Gäste mit Häme und Hass ("Berlin don't love you" schallt es von zahlreichen Aufklebern und ein T-Shirt verkündet: "Welcome to Berlin! Now go home!") bedenkt. Da haben sie jahrzehntelang alles getan, damit die Welt ihre Aufmerksamkeit dem antikommunistischen Bollwerk in der Wüstenei des Sozialismus schenkt ("Ihr Völker der Welt, seht auf diese Stadt!" Ernst Reuter) - und jetzt erdreistet sich die Welt, zu Besuch zu kommen und wird als Invasion von Idioten verunglimpft (reale Idioten sind natürlich auch dabei, siehe gestern). Selbst die linke Szene, die jede Woche Solikampagnen für Pelztierzüchter in Botswana fährt und den Internationalismus hochhält, verkrampft beim Anblick exogener Rucksackträger und keift was von Profitgeilheit und Konsumfetischismus. Die schwarzroten Kreuzberger Schrebergärtner achten halt auf das Einhalten ihrer Vereinssatzung.

Das alles ist nur ein Symptom für die altbekannte Motzigkeit dieser Stadt. Die Wilmersdorfer motzen über die Kreuzberger, der Autonome über die Bullen, der Ossi über den Wessi, das Schon-Wieder-New-Economy-Prekariat über Menschen, die Geld jenseits von Laptops verdienen und der ganze Haufen über die Touris. Dabei lassen diese Touristen eine Stange Geld im hiesigen Subventionsstadl, auch wenn sie über das Wetter motzen. Und jetzt fängt auch noch die bread&butter an und alle können über das bulimische Modepack herziehen. Die Anzahl bohnenstangiger junger Frauen in Mitte hat sich in den letzten Tagen jedenfalls spürbar erhöht.

Mit anderen Worten: Das hier ist keine Weltstadt, nicht mal eine anständige Hauptstadt, sondern eine kleinbürgerliche Motzbaracke. Heute schien wenigstens die Sonne, da läßt es sich leben.

1 Kommentar:

  1. na du hast ja einen netten tag gehabt heute, wie? ;-)

    na vielleicht ändert sich das ja heute abend noch, bis gleich in der motzkantine!

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